Das Logbuch des Phantastonauten


 

In diesem Weblog gebe ich Einblicke in den Alltag eines bekennenden Phantasten (das bin ich). Hin und wieder werde ich hier kleine Artikel veröffentlichen, in denen eine ganz und gar phantastische Sicht auf die eigenartige Welt des Alltags offenbar wird. Wenn möglich mit Bildern, die das Ganze noch etwas eigenartiger erscheinen lassen könnten.

 


Der Puppenspieler, Teil 1

B-Zombies

Wenn man als Phantastonaut Wert darauflegt, dass ein kurzer Gang in den Keller zwecks Nahrungsbeschaffung nicht zu einer Reise ohne Wiederkehr wird, sollte man dabei einige einfache Sicherheitsvorkehrungen beachten. Regel Nr. 1: keine unnötigen Aufenthalte oder Verzögerungen, vor allem nicht irgendwo stehenbleiben und vor sich hinträumen. Diese eherne Regel meines Gewerbes hatte ich leider an diesem Tag aus irgendwelchen Gründen sträflich vernachlässigt und an statt die Dose mit den Erbsen zu nehmen und blitzschnell zuzusehen, dass ich damit wieder in der Oberwelt verschwand, stand ich nun gedankenverloren im Vorratsraum. Ein Kellerraum mit einer zugemauerten, niedrigen Tür hinten in der Ecke.

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Blühende Phantasie

Es gibt eine bestimmte Art von Geschichten, manchmal sind es sogar ganze Bücher, bei denen der Leser das Gefühl hat, dass darin einfach nichts passiert. Und sobald ich beim Lesen den Verdacht habe, dass es sich um eine solche Geschichte handeln könnte, steige ich für gewöhnlich aus und schieße den Vogel in die Ecke. Nun, das was ich im Folgenden erzählen werde, ist eine solche Geschichte, also empfehle ich denjenigen, die auf Handlung oder gar Action warten, einfach nicht weiterzulesen.

 

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Die Reise in das Land hinter der Zeit Teil 3

Das Meer Chaos

 

Die Meeresoberfläche zerteilte sich sanft und ich tauchte aus dem warmen, klaren Wasser auf in das helle grün-blaue Licht des Tages. Leuchtende Wassertropfen flogen davon und ein stückweit backbord vor mir sah ich das Schiff des Käpt`ns in der sanften Dünung schaukeln. Er selbst lehnte an der Reling und sah mir beim Auftauchen aus der Tiefe des Ozeans zu. War das etwa ein anerkennendes Lächeln, das kurz seinen Mundwinkel kerbte?

 

Neben ihm bemerkte ich eine Gestalt in Gentleman-Haltung, mit hohem Zylinder, angetan mit einem altmodischen Gehrock, einen Spazierstock in der Hand. Ein vages Gefühl des Erkennens schimmerte in mir auf und verschwand sofort wieder.

 

 

Es war viel geschehen, seit meinem ersten schicksalhaften Zusammentreffen mit dem Käpt`n auf meiner Terrasse und dem sich dabei entwickelnden Gespräch. Selbstverständlich waren wir noch am gleichen Tag in See gestochen, wenn man es denn so nennen möchte, denn wie schon an anderer Stelle angedeutet, bewegte sich das Schiff des Käpt`ns nicht nur auf den Wasser -, sondern auch auf den Landstraßen vorwärts. Unser Ziel war das Land hinter der Zeit.

 

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Die Reise in das Land hinter der Zeit Teil 2

Dass dieser fremde Mensch auf meiner Terrasse aufgetaucht war, machte mich nun doch etwas nervös, denn normalerweise lebe ich sehr zurückgezogen. Der einzige Besucher in den letzten Wochen war der Riese gewesen und an den hatte ich mich inzwischen gewöhnt.

 

Im Vergleich zu meinem großwüchsigen Freund, wirkte dieser Besucher fast konventionell, immerhin war er in etwa genauso groß wie ich. Da hörte die Ähnlichkeit aber auch schon auf. Der Fremde trug eine dunkelblaue Seemannsjacke, aus deren Tasche hing eine metallene Uhrkette. Eine ebenfalls blaue Schirmmütze saß auf seinem fast kahlen Schädel über einem ergrauten Bart. Das Gesicht war wettergegerbt und faltig. Genau wie seine ganze Gestalt, strahlte es irgendwie Autorität aus. Vor diesem Mann hatte man instinktiv Respekt.

 

Ich machte Anstalten, den Mann zu fragen, wie er auf meine Terrasse gekommen sei, aber er wischte diesen Gesprächseröffnungsversuch meinerseits mit energischer Geste zur Seite und stellte sich als Der Käpt`n vor. Kurze Pause. So als wäre jetzt alles klar und bedürfe keiner weiteren Erklärung. Die auch nicht kam.

 

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Die Reise in das Land hinter der Zeit

Ich verreise wirklich nur äußerst ungern. Aus Sicht des Phantastonauten ist der dazu notwendige Aufwand unverhältnismäßig hoch: Wenn man sich alleine schon überlegt, wieviel Reisezeit notwendig ist, um läppische 5000 Kilometer zurückzulegen und dann noch das ganze Kofferpacken, Parkplatzsuche am Flughafen und und und.

Wieviel einfacher ist es da für mich, abends im eigenen Bett einzuschlafen, kurz darauf in der Traumwelt – der natürlichen Umgebung des gemeinen Phantastonauten - zu erwachen und dann einfach loszufliegen. Ohne Flugzeug. Die Landschaft, die unter mir dahinzieht, ist Teil einer wunderbaren Welt, welche kein Menschenauge vor mir je erblickt hat und ich kann jederzeit landen und es mir aus der Nähe anschauen.

 

Da sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, dass die Alltagswelt-Urlaubsreise wenig Sinn macht.

 

 

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Magic Elpi

An dieser Stelle berichte ich für gewöhnlich aus meinem abenteuerlichen Alltag als Phantastonaut, heute möchte ich dem geneigten Leser einmal eine Abwechslung dazu bieten und daher geht es heute um die Frage: Wie verbringt ein Vollzeit-Phantastonaut wie ich seine Freizeit? Nun, meine Lieblingsbeschäftigung in diesen seltenen, ruhigen Stunden ist das Musikhören. Am liebsten Schallplatten. Dabei sitze ich in meinem Lieblingssessel mit Blick auf die Wolkenterrasse und sehe in der Ferne den Nördlichen Wald, an dessen Rand ich bekanntlich wohne. Herrlich, diese Stunden ... .

 

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Der Kopflose Riese

Jede noch so alltägliche und scheinbar banale Handlung kann für den Phantasten zum Einstieg in ein neues, haarsträubendes Abenteuer werden und dieses Mal fing es ganz harmlos in meiner Küche an.

 

Viele Haushaltsarbeiten haben ja geradezu hypnotische Wirkung, ich genieße das jedes Mal und es kommt mir auch nicht sonderbar vor. Doch nachdem ich drei geschlagene Stunden damit verbracht hatte, den Salatkopf zu putzen und zu zerlegen, wurde selbst mir allmählich mulmig zumute. Vor allem, als ich dann, nach der ganzen Mühe, feststellte, dass der Kopf nicht kleiner, sondern beträchtlich größer wurde und inzwischen schon einen sehr großen Teil der Küche vereinnahmte ...

 

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Der verlorene Frühling

 

 

Das Leben eines bekennenden Phantasten ist … kompliziert. In erster Linie natürlich phantastisch, aber auch kompliziert. Warum das so ist? Nun, vielleicht lässt sich diese Aussage am Einfachsten mit der folgenden Geschichte belegen.

 

Als ich heute Morgen aufwachte, war ich von dem Anblick, der sich mir bot, nicht bloß überrascht, sondern wirklich geschockt ...

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Die Phantastische Wolken-Terrasse

 Ich brauchte dringend einen Ortswechsel. Über 10 Jahre hatte ich in den Sümpfen am Flußufer verbracht und was genug ist, ist genug.

 

Erst nach meinem Umzug in die neue Wohnung wurde mir klar, was geschehen war: Ich hatte das Atelier für Phantastische Kunst verlassen und damit war es Vergangenheit.

Der Plan war, mein Atelier einfach mit umzuziehen, doch leider weigerte es sich. Es blieb dort unten in der Flußniederung zurück und nun brauchte ich einen neuen Plan.

 

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Lila und Manila

Ein schwebender Fisch … Ich legte das Manuskript aus der Hand und ging erstmal in die Küche, um mir eine Tasse Tee aufzugießen. Was ich da gerade gelesen hatte, das musste ich erst einmal verarbeiten.

 

Eine befreundete Schriftstellerin, die ich aus längst vergangenen Jugendtagen kannte und dann sehr lange Zeit aus den Augen verloren hatte, hatte mir die Geschichtensammlung mit dem Titel „Lila und Manila“ zukommen lassen. Und mich gebeten, „es einfach mal durchzulesen“ ...

 

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Das Verflixte Skizzenbuch

 

An einem Ort, der so still ist, wie der Nördliche Wald, hört man nicht nur das Zwitschern und Singen der Vögel, sondern man hört auch, wie der Vogel, der gleich singen wird, herbeigeflogen kommt und leise raschelnd auf dem Ast über dem eigenen Sitzplatz landet.

Dass ich nun an diesem Ort bin, gibt mir die Gelegenheit, endlich mein Skizzenbuch zu öffnen, darin herumzublättern und vor allem einige Zeichnungen anzufertigen.  Das ist doch nichts Besonderes, sollte man im Normalfall annehmen; nicht so bei meinem Verflixten Skizzenbuch: ...


 

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The Making of Goethes „Faust“

Im Sog der Vergangenheit: The Making of Goethes „Faust“.

 

Als die Einladung zu einer Ausstellungsteilnahme zum Thema „Faust 1“ hereinkam, war ich erst einmal gelinde gesagt überrascht. Der Veranstalter, Herr Michael Agi, besuchte mich kurz danach im Atelier für Phantastische Kunst und wir hatten ein anregendes Gespräch zu diesem Thema, so dass ich mich mehr und mehr für das Projekt begeisterte.

 

Gelesen hatte ich das Stück schon einmal. Allerdings war das schon über 30 Jahre her. Auch während der Zeit meines Studiums - Germanistik als Hauptfach - war Goethe selbstverständlich oft ein zentrales Thema. Auch schon lange her ...

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Feen-Zeit

Es gibt keine Entschuldigung für mein Verhalten an diesem Vormittag, außer vielleicht, dass ich mir der Ungehörigkeit meines Benehmens nicht bewusst war. Und törichterweise vergessen hatte, welchen Zeitpunkt ich mir für meinen Waldspaziergang ausgesucht hatte: kurz vor Weihnachten ist die Wintersonnenwende, die längste Nacht des Jahres, und die Wände zwischen den Welten sind zu diesem Anlass offensichtlich dünner als ein Blatt Papier. Und wie ein Bauerntölpel war ich ohne Anmeldung mitten in den Thronsaal der Feen gestolpert ....

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Feen-Holz

Es war leichtsinnig von mir, aber ich war tatsächlich unter diesem Baum eingeschlafen. Zuvor hatte ich gedankenverloren noch dreimal auf das von dicker Borke umhüllte Holz des Stammes geklopft …

 

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Die Hexenblume

Manchmal ist es wie verhext, so auch bei meiner letzten Reise in den Nördlichen Wald. Wie die Male zuvor, war ich auch jetzt wieder auf der Suche nach Phantastischem, welches ich hoffte, mit Hilfe von Zeichenstift und Farbe auf Papier bannen zu können.

Nur leider konnte ich dieses Mal nichts Phantastisches entdecken. Jedenfalls zu Anfang nicht.

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Die Erfindung von Graphic-Poetry

Es war nie meine Absicht, Gedichte zu schreiben, nichts lag mir ferner. Auf welche Weise es dennoch dazu kam, werde ich heute erzählen.

Eines Morgens saß ich wie so oft an meinem Arbeitstisch, schlürfte an einer Tasse Tee und kritzelte ziellos auf einem Blatt Papier herum. Plötzlich stutzte ich, denn inmitten bewussten Gekritzels entdeckte ich eine Gestalt, die mich verdutzt-fröhlich anguckte. Da ich in meiner Eigenschaft als Phantast an derartige Erscheinungen gewöhnt bin, fragte ich: Wer bist denn du?

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Phantastisches in Bonn

Die Betreffzeile der Email klang harmlos: „Ihr Atelier für Phantastische Kunst“. Werbung vielleicht, schlimmstenfalls eine Rechnung. Doch beim Lesen der Nachricht, die ich eines schönen Morgens im letzten Sommer in meinem Posteingang entdeckte, wurde ich allmählich wach. Sehr wach.

 

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Rapunzel

Gestern war ich ein weiteres Mal zu Gast bei der Schriftstellerin und Märchenforscherin Ingrid Lelley. Wie schon so oft, saßen wir eine Weile zusammen beim Tee und das Thema unseres Gespräches war an diesem Tag das Märchen „Rapunzel“ von den Brüdern Grimm.

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Feenstiefel

Einfach mal ein paar Tage in den Wald: friedliche Stille, rauschende Bäume, so ruhig, dass man die Blätter fallen hört. Abends im Waldloft vorm Kaminfeuer träumen, tagsüber dem Herbstwald die Wanderstiefel zeigen…und dazwischen, einfach nur so, um nicht aus der Übung zu kommen, ein paar Aquarelle mit Herbstfarben zaubern, nichts Ernstes, auf keinen Fall arbeiten. Das waren so meine Gedanken, als ich eines goldenen Oktobermorgens die Stadt hinter mir zurücklies.

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Der Geheime Name

Meine Beschäftigung mit Afrika führte mich zwangsläufig zu folgender Frage: Wie lautet der geheime Name der Giraffe? Dieses anmutige Wesen steht also dieses Mal im Mittelpunkt meiner Kunst der Verwandlung. Und in diesem Fall benötige ich, um meine Kunst ausüben zu können, den geheimen Namen.

 

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