Der verlorene Frühling

 

 

Das Leben eines bekennenden Phantasten ist … kompliziert. In erster Linie natürlich phantastisch, aber auch kompliziert. Warum das so ist? Nun, vielleicht lässt sich diese Aussage am Einfachsten mit der folgenden Geschichte belegen.

 

Als ich heute Morgen aufwachte, war ich von dem Anblick, der sich mir bot, nicht bloß überrascht, sondern wirklich geschockt ...

 

Vor dem Fenster sah ich Bäume und Sträucher in vollem Grün, es war warm, die Bienen summten und die Vögel zwitscherten frühsommerlich. Aber was ist denn daran so schlimm, werden Sie sich sicherlich fragen. Nun, als ich gestern Abend eingeschlafen bin, war es noch tiefster Winter, Februar, um genau zu sein. Und aufgewacht bin ich mitten im Mai. Mir fehlt demnach also eine ganze Jahreszeit.

 

Was noch rätselhafter ist, ist das Bild, welches ich kurz nach dem Erwachen auf meinem Arbeitstisch fand und welches ich als Beweis für die Echtheit meiner Behauptung beifüge. Hatte ich es in der fehlenden Zeit gemalt? Oder hat es irgendjemand dort hingelegt? Und sind die dort gemalten Szenen irgendeine Art von Botschaft oder Erklärung? Ich glaube nicht, obwohl dieses bösartige Wesen mit den Nagezähnen eine vage Erinnerung wie an einen schlimmen Alptraum in mir auslöst.

 

Und falls dieses Bild doch etwas mit dem zu tun hat, was in den fehlenden Wochen geschehen ist, dann ist es vielleicht für mich am besten, dass ich mich an wirklich gar nichts erinnern kann …